Zur spannenden und informativen Fledermausführung begrüßte Gemeinderätin Tanja Becker-Fröhlich am 25. Juli auf dem Dorfplatz neben mehr als vierzig Teilnehmenden auch einen ausgewiesenen Fledermausexperten.
Jörg Fürstenberger engagiert sich beim Nabu Sinsheim, bietet Führungen an und kümmert sich über den Verein Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg um in Not geratene Fledermäuse – und alles ehrenamtlich.
Zur Anschauung hatte er neben aussagekräftigen Abbildungen auch zwei ausgewachsene Zwergfledermäuse mitgebracht, die als Notfälle bei ihm gelandet waren. Er nahm eines der Tiere in die Hand und zeigte es den faszinierten Umstehenden. Ungeübten riet er zu Gartenhandschuhen, da Fledermäuse in Stresssituationen auch mal beißen können.

„In meinem ‚Fledermauszimmer‘ habe ich mit ihm Flugtraining gemacht“, erzählte er und versicherte, das Tier sei fit. „Diese war an einem Fliegenfänger festgeklebt“, berichtete er über die andere. Dass Fledermäuse auf der Suche nach Insekten kleben bleiben, komme auch bei Leimringen um Obstbäume vor. Mit Olivenöl und Spüliwasser hatte er das Tier mühsam gereinigt und konnte vermelden: „Sie ist heute brav geflogen.“
Wichtig für die Flugfähigkeit sei ein ausreichendes Gewicht, und das liege bei Zwergfledermäusen zwischen 4,5 und 5 g. Der Experte bestätigte eine entsprechende Nachfrage. „Da braucht man eine Feinwaage, ja.“ Er machte die Bandbreite deutlich: Während die Zwergfledermaus in eine Streichholzschachtel passt, gilt das Große Mausohr mit einer Flügelspannweite von bis zu 43 Zentimetern als größte heimische Fledermausart.
Mitgebracht hatte er auch einen Fledermauskasten, den er „gerne loswerden“ wollte und mit einer Schätzfrage verband. So wollte er wissen, wie schnell das Herz einer Fledermaus maximal schlagen kann. Mit 1000 Schlägen pro Minute kam ein Teilnehmer der richtigen Antwort 1100 sehr nahe und bekam den Fledermauskasten überreicht. Dies unter der Bedingung, ihn sachgerecht aufzuhängen: möglichst frei in ausreichender Höhe auf der Süd- oder Ostseite des Hauses.
„Die Tiere suchen sich jetzt neue Quartiere“, sagte der Naturschützer und riet dazu, im Urlaub die Fenster nicht gekippt zu lassen. Er machte deutlich: Fledermäuse sind sehr sozial. Wenn eine Fledermaus ins Haus fliegt, findet sie nicht mehr heraus und ruft die anderen. Da können dann fünfzig folgen und womöglich mit zugrunde gehen. Entsprechend können auch glattwandige Behältnisse zu einer Falle für die Tiere werden, die nur auf rauen Oberflächen Halt finden.
Die Gruppe spazierte in Etappen vom Dorfplatz aus die Letzenbergstraße hoch. Mit seiner interaktiv gestalteten und zugleich informativen Führung nahm der Sachverständige Kinder wie Erwachsene mit auf eine Reise durch das Fledermausjahr.
„Wo sind denn die Tiere im Januar?“, wollte er wissen. Im Winterschlaf, in Höhlen, im Warmen, alle Antworten waren richtig. Fürstenberger informierte, dass Fledermäuse Zugtiere sind und frostsichere Winterquartiere aufsuchen. Zwergfledermäuse im Umkreis von 50 Kilometern um das Heidelberger Schloss fänden Platz in dortigen Mauerspalten und Katakomben. Größere Arten können auch mehrere hundert Kilometer weit fliegen.
„Wie ist denn der Herzschlag im Winterschlaf?“, knüpfte er an seine Schätzfrage an. Die Vorschläge blieben weit weg von der überraschenden Antwort: Ein bis zwei Schläge – und das pro Stunde! Störungen im Winterquartier seien für die Tiere daher lebensgefährlich.
Und was machen sie, wenn sie im März oder April ausgehungert aufwachen? Richtig: Erst mal essen und trinken, und dann? „Sich paaren“, mutmaßte eine Teilnehmerin, doch damit lassen sich Fledermäuse Zeit bis zum Herbst. Fledermausweibchen lagern den Samen über den Winter ein und können im Frühjahr in Abhängigkeit von den Außenbedingungen den Zeitpunkt der eigentlichen Befruchtung steuern.
Tatsächlich suchen sie erst mal wieder ihre Sommerquartiere auf. Und die finden sich oft in menschlichen Behausungen, und zwar nicht nur auf Dachstühlen, sondern – je nach Art – auch in Spalten oder Rollladenkästen. Die Weibchen finden zu Gesellschaften zusammen, den sogenannten Wochenstuben, in denen sie ihre Jungen zur Welt bringen.
Fledermäuse sind die einzigen fliegenden Säugetiere, bemerkte Fürstenberger. In der Abenddämmerung konnte die Gruppe im Gewann Sauermichel einige Exemplare am Himmel entdecken. Ilona Dippold von der Schutzgemeinschaft Sauermichel betonte die Bedeutung des Gebietes und nannte weitere vorkommende Arten wie Zauneidechse, Blindschleiche, Turmfalke, Wendehals und Mauersegler.
Fürstenberger verteilte an der letzten Station im Bereich der 1. Kreuzwegstation Fledermausdetektoren, mit denen ihre Rufe in für das menschliche Ohr wahrnehmbare Laute übersetzt wurden. Hier entließ er dann auch die beiden geretteten Zwergfledermäuse wieder in die Freiheit.
Sabine Hebbelmann
Dieser Artikel erschien am 31.07.2025 in der RNZ und wurde mit freundlicher Genehmigung der Autorin übernommen.


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