Norbert Knopf war ein engagierter und umtriebiger Gemeinderat in St. Leon-Rot, als er 2020 die Nominierung zum Landtagskandidaten für unseren Wahlkreis für sich entschied und mit einem Direktmandat nach Stuttgart ging.
Über insgesamt 95 Newsletter, unzählige Wahlkreistreffen in den verschiedenen Ortschaften seines Wahlkreises, monatliche Bürgersprechstunden, ein Wahlkreisbüro, Teilnahmeangebote zu Landtagsfahrten, Stadtradel-Aktionen und vieles mehr hielt er den Kontakt zur grünen Basis. Wer wollte, erhielt hier viele wichtige Hintergrundinformationen zur Stuttgarter Landespolitik und einen Einblick in die Abläufe, Herausforderungen und Schwierigkeiten der politischen Arbeit im Landtag: Die Arbeit mit der Opposition, aber auch in den eigenen Reihen, war wohl nicht immer einfach – dieser Eindruck entstand oft bei den Zuhörenden. Im Gegenzug nahm Norbert unsere Themen und Anliegen mit nach Stuttgart.
Jetzt hat diese Ära ihr Ende gefunden: Norbert wurde nicht wieder nominiert. Mit ihm gehen seine Erfahrungen, geknüpfte Kontakte zu anderen Landtagsabgeordneten und viele weitere Verbindungen, die in den letzten fünf Jahren aufgebaut worden sind.
So stand beim letzten Wahlkreistreffen spürbare Ernüchterung im Raum: Die Früchte der vergangenen fünf Jahre werden für die abgelösten Abgeordneten nicht zur Reife und Umsetzung kommen, da die verantwortlichen Gärtner – um im Bild zu bleiben – nicht mehr tätig sind. Norbert bedauerte fehlende eigene Ideen und klare Standpunkte innerhalb der grünen Fraktion, die politische Arbeit war zu sehr reaktiv geprägt.

Wir Teilnehmenden des letzten Wahlkreistreffens waren uns einig in unserem Dank für Norberts gut geleistete Arbeit!
Wir bedauern seinen Rückzug aus der Politik und wünschen für die persönliche Zukunft – Dir, lieber Norbert – alles Gute und hoffen, Dich bei der einen oder anderen (grünen) Gelegenheit mal wieder zu sehen!
Mich persönlich haben Norberts Berichte an das Anliegen des kürzlich verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas erinnert: Demokratie bedarf des freien Austausches von (guten) Gründen, die diskutierbar sind und die Basis für ein friedliches Zusammenleben im Staat bilden. Dafür bedarf es einer politischen Öffentlichkeit mit Beteiligung aller und keiner populistischen Meinungsmache, die nicht bereit zur Diskussion ist und damit jegliches Vertrauen in die Trag- und Funktionsfähigkeit unserer Demokratie unterwandert. Bleibt die Hoffnung, dass wir da, wo wir es verloren haben, zur sachlichen und vernunftgesteuerten Diskussion zurückfinden. Es braucht Ideale, um Ziele in der Wirklichkeit zu erreichen…


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